So gehen Magazin-Geschichten online

Drei Beispiele wie Magazin-Journalismus online und im e-Book wirken kann: mit multimedialer Unterstützung und gut geschriebenen Texten:

Machines for Life: die Aufmacher-Geschichte des Magazins pitchfork.com, ein Porträt der Gruppe Daft Punk.

Arabellion: eine Reise durch die Länder des Arabischen Frühlings, zwei Jahre nach Beginn der Revolution (Rheinzeitung). Das Feature orientiert sich in der Aufmachung sehr an der multimedialen Reportage der New York Times, Snow Fall, siehe unten. Was die Macher auch offen zugeben.

Snow Fall: ein multimediales Feature der New York Times über ein Lawinenunglück. Der Sport-Journalist John Branch bekam dafür den Pulitzer-Preis.

Weiterführende Links:

How we made Snow Fall: ein Interview mit den Machern des New-York-Times-Features (mozillaopennews.org)

What the New York Times’s `Snow Fall´Means to Online Journalism’s Future: ein Gespräch mit Steve Duenes, New York Times Graphics Director, und seinem Stellvertreter, Andrew Kueneman (The Atlantic Wire)

Reaktionen of Arabellion-Reportage: gesammelt von Marcus Schwarze, Leiter Digitale Inhalte der Rhein-Zeitung.

Blogbeitrag mit Hintergrundinfos zur Daft-Punk-Cover-Story: mit You-Tube-Teaser (soundisstyle.com)

Bundeszentrale für politische Bildung erhält den Schwarzen Monitor

Der erste Schwarze Monitor geht an die Bundeszentrale für politische Bildung. Mit dem Preis macht das Blog dermedientyp auf die misslungene Umsetzung eines Themas im Internet aufmerksam.

Die Bundeszentrale erhält den Schwarzen Monitor für ihr Dossier Afghanistan – das zweite Gesicht.

Der Schwarze Monitor ist ein Preis und wird vom Blog dermedientyp vergeben. Er macht auf die misslungene Umsetzung eines Themas im Internet aufmerksam.

Der Schwarze Monitor ist ein Preis, der auf die misslungene Umsetzung eines Themas im Internet aufmerksam macht.

In dem Themenpaket kommen afghanische Autoren zu Wort, die ein Bild ihres Landes zeigen jenseits von Krieg, Taliban und Selbstmordanschlägen. Natürlich verdient die Idee Anerkennung, den Deutschen etwas über die Kultur Afghanistans vermitteln zu wollen. Allerdings lässt schon das Inhaltsverzeichnis mit Themen wie “traditionelles Handwerk”, “traditionelle Musik” und “Landschaftsarchitektur” Zweifel aufkommen, wie frisch der Ansatz ist, sich diesem komplexen Thema zu nähern. Beitragsankündigungen zur Situation Jugendlicher und dem kriegsbedingten Brain Drain, also der Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte, lassen wiederum hoffen.

Gewaltig hapert es dann aber an der Umsetzung des Themenpakets. Genauer: Das Dossier ist überhaupt nicht für das Internet aufbereitet worden. Ein paar Beispiele:

• Allein Text dient der Informationsvermittlung – mit einigen auflockernden Fotos.

• Zeitleisten für die Geschichtsthemen? Fehlanzeige! (Mit dem Tool Tiki-Toki hätten zum Beispiel geschichtliche Abläufe visualisiert werden können. Beispiel: The Fight for Democracy in the Middle East.

• Eingebettete Audio-Dateien, um die “traditionelle Musik” hörbar zu machen? Ebenfalls nicht vorhanden.

• Der Beitrag “Landschaftsarchitektur und Siedlungsbau” muss mit drei nichtssagenden Fotos auskommen.

• Grafiken, die Informationen komprimiert vermitteln können? Gibt es in diesem Dossier nicht.

• Die Texte sind fürs Internet überwiegend zu lang: mit bis zu 22.000 Zeichen pro Thema – Fußnoten (!) und Bibliografie kommen dann noch dazu! Zum Vergleich: Die Deutsche Welle empfiehlt Textlängen von bis zu 5.000 Zeichen für längere Hintergrundberichte; zeit.de druckt Texte mit bis zu 8.000 Anschlägen.

• Der Ton der Texte ist wissenschaftlich, was den Nutzern schon von Anfang an signalisiert: Achtung, das Lesen wird eher Arbeit als freudige Wissensaneignung!

• Gerade der Text “Die afghanische Jugend zwischen Tradition und Moderne” hätte hier vom Thema her für Auflockerung sorgen können. (Mal abgesehen vom unsäglichen Titel: Solche Schlagzeilen gibt’s schon zu Japan, Indien und Köln! Und eine Google-Suche ergibt 645.000 weitere Ergebnisse.) Leider wird auch diese Chance vertan, da erst einmal umständlich definiert wird, was denn die Begriffe Moderne und Tradition bedeuten. Wie es anders geht, wie man die Aufbruchstimmung junger Afghanen viel lebendiger beschreiben kann, zeigt dieser Text über afghanische Web-Pioniere.

Es ist höchst bedauerlich, dass die Bundeszentrale für politische Bildung diese grundsätzlich interessanten Aspekte des Themas Afghanistan nicht hinreichend fürs Netz aufbereitet hat. Ein multimediales Dossier mit einer eingängigeren Sprache hätte sicher auch bei jüngeren Netz-Surfern Interesse für Afghanistan wecken und ihnen das zweite Gesicht des Landes näher bringen können.

(Zum Preis: Der Schwarze Monitor ist – wie es sich fürs Netz gehört – eine virtuelle Auszeichnung. Auf besonderen Wunsch der Geehrten kann aber eine analoge Kopie in einem hübschen schwarzen Rahmen per Snail-Mail verschickt werden.)

dermedientyp vergibt den Schwarzen Monitor

Hamburg – Das Blog dermedientyp verleiht jetzt in lockerer Folge den Schwarzen Monitor, eine Auszeichnung für die gründlich misslungene Umsetzung eines Themas im Internet.

Der Schwarze Monitor ist ein Preis und wird vom Blog dermedientyp vergeben.

Der Schwarze Monitor ist ein Preis und wird vom Blog dermedientyp vergeben.

Noch immer gibt es Verlage und Webseitenbetreiber, die einfach die Texte ihrer Printausgaben online stellen. Und die glauben, mit so einer Darstellung im Netz noch Nutzer anlocken zu können.

Um diesen Internet-Portalen einen Anreiz zu geben, Themen multimedial – und damit dem Web angemessen – zu denken, vergibt dermedientyp nun den Schwarzen Monitor.

Die erste Auszeichnung wird am 16. Mai verliehen. Natürlich sind Vorschläge für weitere Kandidaten eines Schwarzen Monitors willkommen: über die Kommentar-Funktion oder per E-Mail an dermedientyp@gmail.com

Layout-Panne beim Hamburger Abendblatt

Die Webseite buzzfeed.com sammelt “Newspaper And Magazine Layout Disasters“. Bisher war dabei keine deutsche Publikation vertreten. Das könnte sich jetzt ändern. Denn, wie folgendes Bild zeigt, kann die Printausgabe des Hamburger Abendblatts sehr gut im internationalen Vergleich mithalten:

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Dass die Redakteure ein Tier-Foto mit dem Titel “Kindisches Vergnügen” direkt oberhalb einer Geschichte über die Entführungsopfer von Cleveland platzieren, zeugt von Gedankenlosigkeit. Und ist einen Beitrag in die “Hall of Shame” wert.

Digitaler Werkzeugkasten für (Online-) Journalisten

3139583324_fd591d098b_oFoto: cc hmboo

Schon etwas älter die Zusammenstellung, aber dafür eine der besten Sammlungen von Open-Source-Tools für (Online-) Journalisten: der “Digitale Werkzeugkasten” von Julius Tröger. Und das beste daran: Tröger und die Co-Autoren erklären auch, wie man die Tools im Newsroom einsetzen kann.